WM 2006, Behandlungsplatz in Dortmund
Aus der Sicht der BHP 50er
Einen Behandlungsplatz (BHP 50) während der Fußballweltmeisterschaft zu stellen, für die meisten Einsatzkräfte in Dortmund ein eher ungewöhnlicher Einsatz. Die Kreise Herford und Minden-Lübbecke stellen mit Einheiten der Feuerwehr Bünde und Minden, sowie der Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz und der Johanniter Unfallhilfe, einen gemeinsamen Behandlungsplatz.
Vier Stunden vor Spielbeginn treffen die einzelnen Behandlungsplätze und Transportkomponenten auf dem Gelände der Firma Thyssen-Krupp ein und formieren sich, um ein schnelles Ausrücken im Ernstfall zu ermöglichen. Ab diesem Zeitpunkt ist Warten angesagt. Die meisten Einsatzkräfte bauen die Campingstühle auf, viele richten sich mittels DVB-T eine entsprechende Fernsehecke her, andere bauen hingegen den Grill auf. Während das Fleisch seiner Bestimmung zugeführt wird nämlich dem Grill, fängt es an zu regnen. Hektisch werden die Möbel zusammengerückt und es ist klar: Hier hilft jeder, jedem. Während das DRK für Gewebeplanen und Befestigungsmaterial sorgt, baut der Techniktrupp diese zwischen den Fahrzeugen auf. Andere gehen schlauer vor und öffnen mit einer Drehung die Pressluftflaschen. Schon steht ein Zelt, dass für einige Kräfte Unterschlupf bietet.
Kurz vor Spielbeginn im Dortmunder Westfalenstadion kommt wieder Hektik im Behandlungsplatz auf, Stühle werden zusammengeklappt, Grills abgelöscht und Fernseher verstaut. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Fast der gesamte Platz strömt mit Stühlen auf dem Rücken einer alten leer stehenden Fabrikhalle entgegen. Schaut man sich in der Halle um, wird es sofort klar. Eine Großbildleinwand zieht das Interesse auf sich. Hier wird live das aktuelle Fußballspiel übertragen.
Deutschland gegen Polen.
0:0. Halbzeit. Viele machen sich auf, um die nahe stehenden Dixi-Klo’s aufzusuchen. Andere nutzen die Gunst der Viertelstunde um die Fahrzeuge aufzusuchen. Andere sind auf schnellstem Wege unterwegs zu Ihren Rettungswagen. Während die einen noch den Livebericht über die Hooligans im Innenstadtbereich von Dormund anschauen, warten auf der Kreuzung vor der Lagerhalle schon etliche RTWs mit Blaulicht auf Ihren Lotsen. Durch die massigen Krawalle in der Innenstadt ist der Rettungsdienst der Stadt Dortmund überlastet und fordert Verstärkung vom Verfügungsraum nach.
Doch die verbleibenden Kräfte lässt dies nicht aus der Ruhe bringen. Einige nutzen sogar die vorhandenen Mittel und organisieren sich von der THW-Küche eine warme Mahlzeit. Nachdem auch bis zur 90zigsten Minute kein Tor gefallen ist, Nachspielzeit.
Erst Klose, per Kopf, dann Ballack im Nachschuss scheiterten am sehnlich erwarteten Tor. Nach Traumvorlage von Odonkor, Neuville. 1:0 für Deutschland erklang es aus den Lautsprechern. 1000 Rettungskräfte springen von Ihren Bierzeltgarnituren auf, umarmen sich, schwenken Fahnen oder stimmen Hymnen, wie "Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin" an.
So viel Euphorie, die auch in einer solchen Situation eher ungewöhnlich ist.
Spielende. Die Einsatzkräfte begeben sich immer noch hypnotisiert vom Spiel auf den Weg zu den Fahrzeugen, mit der Ungewissheit, ob es nun nach den Krawallen zu einem Einsatz der BHPs kommen wird.
Während des am Einsatzleitwagen des BHPs regelmäßig stattfindenden Informationsaustausches kommt endliche die erlösende Nachricht für alle Beteiligten:
Abmarsch Richtung Minden in 25 Minuten.
Hektisch werden genutzte Materialien verstaut, Müll entsorgt und Stromzuleitungen zurückgebaut.
Mit Untermalung von "Preußens Gloria" verlässt daraufhin der BHP 50-2 das Gelände des Stahlproduzenten Thyssen Krupp. Im blauen Lichtermeer geht es auf die A2 Richtung Weserbergland. 14 Stunden und mehr im Einsatz für eine sichere Fußball WM in Deutschland.
Bericht: Fabian Pagel
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Treffpunkt der Komponenten des BHP an der A 2 | |
Treffpunkt der Komponenten des BHP an der A 2 | |
BHP im Bereitstellungsraum | |
BHP im Bereitstellungsraum | |
BHP im Bereitstellungsraum | |
Es spielt Deutschland gegen Polen! | |
Wann fällt endlich das erste Tor?! | |
BHP kurz vor dem Abmarsch Richtung Heimat. | |
Sonnenschutz | |
Bilder: Copyright Feuerwehr Minden
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